Wozu die Revue?
Die Revue für postheroisches Management ist ein multiperspektivisches Magazin, das sich – durchaus mit intellektuellem Vergnügen – mit zukunftsweisenden Themen im Spannungsfeld von Gesellschaft, Organisation und Management auseinandersetzt. Der neueren Systemtheorie verdankt sie die Einsicht, dass modernes Management über weite Strecken darin besteht, sich mit der Paradoxie einer Organisation der Selbstorganisation anzufreunden, nicht mehr ohne Gesellschaftsbezügen gedacht werden kann und es mit Organisationen zu tun hat, die sich nicht mehr ausschließlich auf eine hierarchische Steuerung des Geschehens verlassen können. Dieser Einsicht versucht die Revue Rechnung zu tragen, indem sie sich jedweder Pädagogik entsagt und stattdessen auf die Mobilisierung von Beobachtungsressourcen setzt, mit denen neue Perspektiven auf die Zukunftsfähigkeit von Organisationen und ihrem Management möglich werden. Auf den Punkt gebracht: die Revue ist das Fachblatt für Turbulenzforschung.
Warum dieser Titel?
Hier verweisen wir gerne auf das Editorial der ersten Ausgabe, verfasst von Dirk Baecker (Sie können es hier auch in voller Länge lesen).
Revue
„Eine Zeitschrift, die sich als Revue bezeichnet, rechnet nicht damit, mit neuen Erkenntnissen überraschen zu können. Im Gegenteil, was man hier zu lesen und zu sehen bekommt, hat man alles schon einmal gesehen. Wir möchten dazu einladen, noch einmal hinzuschauen, getreu der Aufforderung von Heinz von Foerster: »Bitte nie zu sagen, ›das ist langweilig, das kenne ich schon‹. Das ist die größte Katastrophe! Immer wieder sagen, ›ich habe keine Ahnung, ich möchte das noch einmal erleben‹.« Wir möchten dazu einladen, noch einmal hinzuschauen und dieses Mal sorgfältiger als bisher die Effekte der Organisation, des Managements und der Gesellschaft miteinander zu verrechnen.“
postheroisch
“Vom postheroischen Management sprechen wir, weil das Heroische darin bestand, zugunsten des Gewinns von Tragik und von Komik an den einmal gesetzten Unterschieden festzuhalten. Held ist, wer entweder beeindruckend triumphiert oder großartig scheitert. Alle anderen sind bloß Beobachter, die dem Weltenlauf nichts hinzuzufügen haben, sondern allenfalls die anfallenden Arbeiten erledigen. Im postheroischen Management werden die Beobachter aus ihrer passiven Rolle befreit. Sie werden zu Akteuren. Jeder ihrer Arbeitsschritte ist eine Entscheidung. Helden stören dabei nur. Helden sind Leute, die den Blick für die Gegenwart scheuen und sich stattdessen auf ihre Zukunft, ihre glorreiche Zukunft, konzentrieren.”
Management
„Unter dem Stichwort des postheroischen Managements versuchen wir, die Managementlehre, das Reden über das Management, auf die Höhe seiner eigenen Praxis zu bringen. Wie viel Klugheit steckt selbst in einem schlechten Management? Woran hat sich ein schlechter Manager, ein schlechtes Management, offensichtlich mit Erfolg bereits angepasst? Um Fragen dieser Art, ganz zu schweigen von den Fragen an ein gutes Management, stellen zu können, gehen wir davon aus, dass wir die Perspektive der Betriebswirtschaftslehre erweitern müssen. Die Sprache von Kosten und Nutzen, von Soll und Ist, von Effizienz und Ineffizienz taugt bereits viel, um Organisationen unter Druck zu setzen, die andernfalls in ihren eigenen Routinen erstarren würden. Aber um zu verstehen, wie viel Schaden eine Nutzenorientierung anrichten kann, welche Defizite in einer Solldefinition stecken und wie viel Ineffizienz die Orientierung an Effizienzkriterien nach sich zieht (dies alles in Variation der präzisen Frage von Ronald H. Coase nach dem Preis des Preissystems), müssen wir den Rahmen in den Blick nehmen, innerhalb dessen diese Sprache Sinn macht und außerhalb dessen sie nur Begriffsstutzigkeit bewirkt.“
Beirat
Der Beirat ist der intellektuelle Think Tank der Revue. Er verleiht dem Blatt Profil, Tiefenschärfe und Tragfähigkeit. Er besteht zur Zeit aus folgenden Mitgliedern:
Dirk Baecker ist seit Herbst 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Zuvor war er Professor für Soziologie an der Universität Witten/Herdecke, wo er von 1996 bis 2000 auch die Reinhard-Mohn-Stiftungsprofessur für Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und gesellschaftlichen Wandel innehielt.
Eckard Minx ist Vorstandsvorsitzender der Daimler und Benz Stiftung und Honorarprofessor am Institut für Transportation Design der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und für Soziologie der Technik an der FHTW Berlin. Er beschäftigt sich mit den Themen Zukunftsforschung, Innovationsmanagement und Organisationsentwicklung.
Günther Ortmann ist Organisationstheoretiker und Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen zu Fragestellungen der modernen Gesellschaft untersucht und kommentiert er den Zusammenhang von Organisation, Führung und gesellschaftlicher Differenzierung.
Fritz B. Simon ist Professor für Führung und Organisation am Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. Außerdem ist er systemischer Organisationsberater, Psychiater, Psychoanalytiker, systemischer Familientherapeut und geschäftsführender Gesellschafter der Carl-Auer-Systeme Verlag GmbH und der Simon, Weber & Friends Systemische Organisationsberatung GmbH.
Rudolf Wimmer ist Professor für Führung und Organisation am Wittener Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke. Er ist Mitgründer und Partner der osb international AG, einer der führenden systemischen Organisationsberatungen im deutschsprachigen Raum.